Vorwort

Viele Eltern und Familienangehörige, die ein behindertes Kind pflegen und versorgen, erfahren eine große psychische und physische Belastung. Große Teile des Alltags richten sich nach einer Person, die wichtigen sozialen Kontakte geraten oft in Vergessenheit und/oder werden ganz eingestellt. Beide Teile zu verbinden ist häufig schwierig. Insbesondere dann, wenn es innerhalb der Familie oder des Bekanntenkreises keine Möglichkeit gibt, die Pflegeperson/en regelmäßig zu entlasten.

Als etablierter, ambulanter Pflegedienst haben wir diese Problematik erkannt und möchten auf diesem Weg Menschen die Möglichkeit bieten, am sozialen Leben wieder teilzunehmen und/oder kulturelle und politische Angebote wahrnehmen zu können.


Was bedeutet Familienentlastender Dienst (FED)?

Der "Familienentlastender Dienst" (FED) oder auch "Familienunterstützender Dienst" (FUD) genannt, stellt spezielle Angebote für Familien vor, die Menschen mit einer Lernbehinderung oder einer geistigen oder seelischen Behinderung betreuen. Hierbei werden zielorientierte Einzelangebote erarbeitet. Der FED soll "Freiräume" zur Erholung schaffen. Diese sollen die Pflege- und Betreuungsfähigkeit der Familien erhalten und gleichzeitig Menschen mit Behinderung mehr Autonomie und Selbstständigkeit außerhalb des Elternhauses ermöglichen.

Die Angebote des FED richten sich ausschließlich an Familien, in denen ein Kind mit Behinderung lebt. Entsprechend dem Wunsch der pflegenden Angehörigen übernimmt der FED für einen bestimmten, begrenzten Zeitraum die Versorgung des behinderten Familienangehörigen.

Art und Umfang der Betreuung richten sich nach dem Wunsch und den Vorgaben der Eltern, die als unsere Auftraggeber fungieren. Die Tätigkeit des FED umfasst insbesondere pädagogische, pflegerische und hauswirtschaftliche Bereiche (soweit diese in unmittelbarem Zusammenhang mit der Betreuung stehen), sowie die Freizeitgestaltung. Für die Dauer der Abwesenheit der Eltern oder Pflegeperson übernimmt der FED praktisch deren Rolle.

Grundsätzlich können wir auf individuelle Wünsche weitgehend eingehen. Eine offene, vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern ist uns sehr wichtig und ist die Basis unserer Arbeit.


Ziele

Aufgabe des FED ist es, durch qualifizierte und verlässliche Entlastungsangebote den pflegenden und betreuenden Angehörigen Freiräume zur Erholung zu schaffen und Möglichkeiten zur Teilnahme am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben sowie der Berufstätigkeit zu bieten. So soll die Pflege- und Betreuungsbereitschaft der Angehörigen erhalten werden und durch die Entlastungsangebote eine Stabilisierung der Familie erreicht werden. Dabei soll der behinderte Mensch durch entsprechende Förderung in seinen Fähigkeiten gestärkt und bei der Wahrnehmung eigener Interessen unterstützt werden. Hier leistet der FED flexibel abrufbare Einzelbetreuungen.

Grundsätze des Familienentlastenden Dienstes:

Es handelt sich um Hilfsangebote, die sich sowohl durch Flexibilität (zeitlich und räumlich, Art
und Umfang), als auch durch Verlässlichkeit auszeichnen und ebenso Alltags- sowie
Notfallhilfen bereitstellen.
Der FED ist geprägt von einem Helferverständnis, das sich als assistierend und begleitend
definiert.
Neben der Unterstützung einer Lebensführung in weitestgehender Selbstständigkeit trägt
der FED zur sozialen Integration und Normalisierung bei. Beides gilt sowohl für die Menschen
mit Behinderung, als auch für die Lebenssituation ihrer Angehörigen.
Der FED bietet Hilfen an, koordiniert und vermittelt sie. Durch die spezifische Leistungspalette
stellt er keine Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen im Gemeinwesen dar, sondern
ermöglicht einen fairen Wettbewerb im Bereich der sozialen Dienste.


Leistungen

Der "Familienentlastender Dienst" richtet sich mit seinen Angeboten an Familien. Art und Umfang der Hilfen werden auf die Erfordernisse der einzelnen Familien abgestimmt, wobei diese weitgehend selbst über Art und Umfang der Hilfen entscheiden.

Die Angebote des FED umfassen unter anderem:

stundenweise, tageweise oder mehrtägige Betreuungs- und Pflegehilfen
sozialpädagogische Beratung und Betreuung
Menschen in vergleichbaren Problemlagen auf Wunsch zu vernetzen
individuelle Betreuungsangebote
festes Betreuungspersonal


Organisation

Eingegliedert ist der "Familienentlastender Dienst" bei Reiners - Ihr ambulanter Pflegedienst GbR.

Alle Mitarbeiter, die für den "Familienentlastender Dienst" tätig sind, sind hauptamtliche Mitarbeiter, keine ehrenamtlichen Mitarbeiter. Für eventuelle Fahrten steht ein eigenes Fahrzeug zur Verfügung (wird per Kilometervergütung abgerechnet).


Rechtsgrundlage / Finanzierung:

FED im Rahmen der Sozialhilfe: Dienstleistungen zur familiären Entlastung und Unterstützung basieren auf dem § 13 Abs. 1 SGB XII, in dem der ambulanten Hilfe Vorrang vor stationärer Hilfe eingeräumt wird. Die durch den FED erbrachten Leistungen basieren auf der Beschreibung von Maßnahmen, wie sie in den §§ 53/54 SGB XII in Verbindung mit § 55 SGB IX ausgeführt sind. Als ergänzendes Anbot werden ambulante Entlastungen in der Pflege gemäß §§ 61 ff. SGB XII durch den FED erbracht.

FED im Rahmen der Pflegeversicherung: Wenn ihr Kind in eine Pflegestufe eingestuft wurde, erhalten Sie Unterstützung im Rahmen der Pflegeversicherung, z. B. für die Häusliche Pflege (§ 39 SGB XI) oder Sie können - unter bestimmten Voraussetzungen - auch mit oder ohne Pflegestufe zusätzliche Betreuungsleistungen (§ 45b SGB XI) in Anspruch nehmen.


Qualitätssicherung

Eine leitende Fachkraft trägt die Verantwortung für die Umsetzung der notwendigen / vorhandenen Kenntnisse bei der Betreuung der pflegebedürftigen bzw. behinderten Menschen. Ihr obliegt die organisatorische und inhaltliche Verantwortung sowie die Einsatzplanung und Anleitung der Mitarbeiter.

Das Betreuungsangebot ist auf Dauer ausgerichtet, es findet regelmäßig und verlässlich statt. Zudem wird besonders auf die Interessen der Klienten eingegangen. Daher wird das Angebot je nach Bedarf abgewandelt oder erweitert.

Zwischen den Mitarbeitern findet ein regelmäßiger fachlicher Austausch statt. Dabei werden wichtige klientenbezogene Informationen wie auch fachliche Kenntnisse ausgetauscht, damit eine bestmögliche Betreuung der Klienten möglich ist. Zudem wird das Fachwissen in regelmäßigen Qualitätszirkeln vertieft und neu erarbeitet.